Niemand erwartet von einzelnen Beschäftigten, dass sie eine Strukturkrise lösen. Die Beschäftigten leisten schon heute viel – fachlich, menschlich, im Alltag. Das ist die Basis, auf der M+E überhaupt noch steht.
Was trotzdem hilft, ist zunächst: informiert bleiben. Den Ernst der Lage genauso kennen wie mögliche Auswege und den eigenen Beitrag dazu. Wer versteht, warum sich Dinge auf der Welt, am Standort Deutschland oder in der M+E-Industrie verändern, kann auch besser einordnen, was im eigenen Betrieb passiert und warum welche Entscheidungen manchmal notwendig sind oder bestimmte Fragen gestellt werden. Das ist wichtig, um nachfragen zu können – und vielleicht die eigenen Erwartungen zu hinterfragen.
Denn auch das gehört zur Wahrheit: Wenn sich an den grundsätzlichen Problemen von M+E etwas ändern soll, müssen wir vor allem darüber reden, wofür Unternehmen Geld ausgeben. Für Investitionen in Zukunft, also in innovative Produkte, Technologien, Geschäftsmodelle und Jobs? Oder für die stetig steigenden Kosten am Standort Deutschland? Beispiel Arbeitskosten: Da ist M+E-Produktion in Deutschland immer weniger konkurrenzfähig. 53,76 Euro kostet hier eine Arbeitsstunde – in Polen ist es nicht einmal ein Drittel davon.
Und auch am Geld selbst fehlt es oft: Derzeit schreibt gut ein Viertel der M+E-Firmen Verluste. Ein weiteres Viertel schafft gerade noch eine „schwarze Null“, es bleiben also weniger als 2 Prozent des Umsatzes als Rendite übrig. Im Durchschnitt erwarten die M+E-Unternehmen für 2025 sogar nur eine Rendite von 0,2 Prozent. Wenn sie in Deutschland aber nichts verdienen, lohnen sich auch Investitionen hier kaum. Solche Zusammenhänge zu verstehen, ist die wichtigste Grundlage, um über notwendige Veränderungen zu diskutieren.